Ausgangssituation & Herausforderung
Die Applikation eines sterilen Wundpflasters (Gesamtgröße 10×6 cm, Kern 8×4 cm) am distalen Unterschenkel erfordert extreme Oberkörperbeugungen oder das Anheben des Beins – mit direktem Einfluss auf Applikationsqualität und Aseptik. 45 % der Teilnehmer wählten spontan die stehend-gebeugte Haltung (hohes Risiko), 38 % die sitzende Haltung mit hochgelegtem Bein (optimal) und 17 % eine hockende Position (ermüdend). In stehend-gebeugter Position lasen 12 von 36 Teilnehmern die IFU aus einem schrägen Winkel und interpretierten die Abzieh-Reihenfolge der Schutzfolien falsch – der kognitive Fokus verlagerte sich von der aseptischen Technik zur Aufrechterhaltung des körperlichen Gleichgewichts.
Unser Vorgehen
Formative Usability-Studie gemäß DIN EN IEC 62366-1 mit N=36 (18 medizinisches Fachpersonal, 18 Laien) in simulierter häuslicher Umgebung. Erfasst wurden: REBA/RULA-Scores für spontan gewählte und vorgeschriebene Körperhaltungen (stehend tief gebeugt vs. sitzend mit erhöhtem Bein), Zeitspanne vom Verpackungsöffnen bis zur vollständigen Applikation, Fehlerraten bei Aseptik, Platzierung und Druckkraft sowie subjektive Handhabungsbewertung zu Flexibilität, Klebekraft und IFU-Design.
Ergebnis
Stehend-gebeugte Position: REBA 9 / RULA 7 (sehr hohes Risiko, sofortiger Handlungsbedarf); sitzend mit erhöhtem Bein: REBA 3 / RULA 3 (akzeptabel). Sitzende Probanden applizierten das Pflaster in 92 % der Fälle faltenfrei, stehend gebeugte wiesen eine Fehlerquote von 24 % auf. Fachpersonal: 22 s Vorbereitung, 42 s Applikation (Aseptik-Bruch 5 %, Falschplatzierung 0 %); Laien: 45 s und 110 s (Aseptik-Bruch 33 %, Korrekturbedarf 30 %). Bei 25 % der Laien trat der Dog-Ear-Effekt auf; 85 % forderten mehr Grifffläche an den Schutzfolien. Priorisierte Design-Empfehlungen: obligatorische Haltungsvorgabe "SITZEN" in der IFU, Applikationshilfen (Flügel) für einhändiges Folienabziehen sowie farblich abgesetzte Applikations-Tabs außerhalb der Sterilzone.